Kanzler ist der neue Tor-König des FVL II


Fußballer der Woche: Im B-Klassen-Team des FV Leutershausen verbucht der routinierte Defensivspezialist schon zehn Tore in drei Spielen

Jens Kanzler vom Fußball-B-Klassisten FV Leutershausen II hat das Toreschießen neu für sich entdeckt. Im Gespräch erläutert der 32-Jährige seinen Wandel zum Torjäger und gibt Einblick, was er sich in dieser Saison persönlich noch so vorgenommen hat.

Jens, sechs Treffer in einem einzigen Spiel! Das ist eine Besonderheit, die man nicht so oft erlebt.

Jens Kanzler: Nein, das kommt auf keinen Fall oft vor. Ich bin selbst überrascht von mir, dass es am Sonntag so gut geklappt hat. Da war fast jeder Schuss ein Treffer. Ich weiß noch, dass ich in der E- oder D-Jugend mal sechs Tore in einem Spiel geschafft habe. Aber im Aktivenbereich war es eine Premiere für mich. Ich hatte einen absoluten Sahnetag.

Eigentlich sind Sie ja nicht als Torjäger bekannt und waren eher in der Defensive beheimatet. Jetzt haben Sie aber bereits zehn Tore in drei Spielen gemacht. Wie ist dieser Wandel hin zum Torjäger zu erklären?

Kanzler: Anfangs hat mich unser Spielertrainer Dominik Sättele schon eher in der Innenverteidigung gesehen. Dadurch, dass Frieder Pfefferle aber zur ersten Mannschaft beordert wurde, hat mich der Trainer offensiver aufgestellt. Und was soll ich sagen? Dort klappt es in den letzten Wochen einfach sehr gut. Man kann sogar sagen, dass ich mich fußballerisch zuletzt ein Stückweit neu erfunden habe (lacht). Und ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn es so weiterläuft. Ich hoffe, dass uns Corona nicht erneut einen Strich durch die Rechnung macht.

Sie würden also gar nicht mehr tauschen wollen und wieder zurück auf eine defensivere Position wechseln?

Kanzler: Ich muss schon sagen, dass ich Gefallen am Toreschießen gefunden habe (lacht). Es ist so, dass ich von klein auf immer schon auf verschiedenen Positionen zum Einsatz gekommen bin. Ich war immer recht vielseitig. Und die Hauptsache war ja auch, dass man überhaupt zum Einsatz kommt. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich aber gerne immer im offensiven Mittelfeld spielen. Das ist schon meine Lieblingsposition.

Sie haben eben auch die erste Mannschaft angesprochen: Wäre das für Sie noch mal ein Thema?

Kanzler: Ich habe ja selbst jahrelang erste Mannschaft gespielt, bis ich mich vor zwei Jahren dazu entschlossen habe, etwas kürzerzutreten. Es ist einfach so, dass das Kreisliga-Team mehr trainiert. Der Aufwand ist also doch größer. Außerdem hat es mich gereizt, als erfahrener Spieler beim Aufbau der größtenteils jungen zweiten Mannschaft mitzuhelfen. Darauf möchte ich mich auch in Zukunft konzentrieren – wobei es natürlich kein Problem für mich wäre, bei Bedarf auszuhelfen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade auf dem Feld auf Torejagd gehen?

Kanzler: Beruflich bin ich seit einigen Monaten als Maschinen- und Anlagenfahrer für ein Unternehmen in Ladenburg (ICL) tätig. Gerade in der jetzigen Zeit habe ich sicherlich Glück gehabt, dass es mit der neuen Stelle geklappt hat. Ansonsten unternehme ich viel mit meiner Freundin Miriam. Oder aber mit den Fußballkollegen im Verein.

Man hört da raus, dass Sie sich beim FV Leutershausen wohlfühlen…

Kanzler: Ja, ganz klar. Ich fühle mich auf jeden Fall sehr wohl hier und komme mit allen im Verein super zurecht.

Als Nächstes steht für Leutershausen II am Sonntag ab 13 Uhr das Duell mit dem ungeschlagenen Tabellendritten Sportclub United Weinheim an. Wie viele Tore dürfen wir denn dort von Ihnen erwarten?

Kanzler (lacht): Ich bin mal mutig und sage, dass ich auch dort zwei Tore machen werde.

Gibt es vielleicht sogar ein konkretes Treffer-Ziel, das Sie sich gesteckt haben?

Kanzler: Wenn es so weiterginge, kämen am Ende natürlich einige Treffer zusammen, und ich wollte ja schon immer mal die Torjägerkanone gewinnen. Nein, im Ernst: Wenn es am Ende der Saison 20 Tore werden, wäre ich auch schon sehr zufrieden.

Zur Person

Als Spieler könnte es für Jens Kanzler gerade nicht besser laufen. Als Fan fristet er dagegen aktuell ein eher trauriges Dasein: Sein FC Schalke 04 ist nach vier Spielen weiter sieglos und belegt nur den vorletzten Platz der Bundesliga-Tabelle.

Nachdem er in der Jugend doch häufiger den Verein gewechselt hatte, gibt es für Kanzler heute nur noch den FV Leutershausen: „Einen Vereinswechsel wird es für mich nicht mehr geben“, stellt der 32-Jährige klar. Seine Karriere startete er in Hohensachsen, wechselte dann nach Lützelsachsen. „Als Großsachsener habe ich mich aber eher mit Leutershausen verbunden gefühlt. Daher der Schritt zum FVL.“

Für seine vielen Treffer zuletzt muss Kanzler übrigens noch einiges springen lassen: „Ich habe ohnehin noch einen Kasten Bier für meinen Geburtstag offen. Außerdem wird für meine Tore noch die eine oder andere Kiste fällig.“

(wnoz v. 21.10.2020)

Jens Kanzler hat sich nach einer langen Fußball-Karriere jetzt als Angreifer beim FV Leutershausen II noch einmal „neu erfinden“ dürfen. Bild: Thomas Rittelmann(wnoz v. 21.10.2020)

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